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28.05.2026 Kategorie: Friedhof

„Die Leute kommen wieder“

Bei der Wohnzimmerkirche im Siegfriedviertel trägt der Pfarrer keinen Talar

Viermal im Jahr wird die St. Georgkirche im Siegfriedviertel zum Wohnzimmer: mit kleinen Sitzgruppen, mit Sesseln und Tischchen, Stehlampen und einer Standuhr, mit Getränken und Livemusik. Organisiert von einem mehrheitlich ehrenamtlichen Team wird der Abendgottesdienst dann als „Wohnzimmerkirche“ gefeiert, in einer lockeren und kommunikativen Atmosphäre, „die Nähe schafft“, so Wilke Horn, Mitglied des Vorbereitungsteams. „Hier können Dinge zur Sprache kommen, denen man sich sonst nicht nähert“, sagt Dietmar Schmidt-Pultke, Pfarrer in der Kirchengemeinde „Die Brücke“.

Für jeden dieser Abende gibt es ein besonderes Thema: mal geht es um Glück, mal um Liebe, beim nächsten Termin am 28. August wird sich alles um gutes Essen drehen, um ein Galadinner im weitesten Sinne. Eine weitere Wohnzimmerkirche wird am 30. Oktober stattfinden, das Thema ist dann Reformation. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, Einlass eine halbe Stunde früher. Ganz wichtig ist den Organisatoren, dass Besucherinnen und Besucher miteinander ins Gespräch kommen und sich möglichst aktiv einbringen können. Hierfür bereitet das Team Gesprächsimpulse vor, das kann auch mal ein Zitat eines Philosophen aus der Antike sein.

Anders als in herkömmlichen Gottesdiensten gibt es keine Predigt von der Kanzel, keine Orgel und der Pfarrer trägt keinen Talar. Doch es gibt einen klaren Ablauf, betont Schmidt-Pultke. Zu Beginn einen Dialog, eine biblische Lesung, Livemusik mit modernen Kirchenliedern und Popsongs, die jeder kennt, Gesprächsimpulse, ein Gebet und Fürbitten zum Abschluss. Passend zum Thema des Abends wird ein gemeinsames Essen angeboten, auch Getränke dürfen nicht fehlen. Anstelle einer Kollekte wird Geld für bestimmte Projekte gesammelt, deren Vertreter ihre Arbeit vor Ort vorstellen. 

Und wer kommt? Familien, Paare und nicht nur die klassischen Gottesdienstbesucher, so die Organisatoren. „Die Wohnzimmerkirche ist gut besucht, doch es könnten mehr sein“, sagt der Pfarrer ganz ehrlich. Eigentlich hatte das Team bei diesem neuen Format auf mehr Zuspruch aus anderen Gemeinden gehofft. Aber immerhin: „Die Leute kommen wieder.“

Die Wohnzimmerkirche wird in St. Georg bereits seit 2023 gefeiert und orientiert sich an einem Modell aus Hamburg. Katrin Roeßner, Mitglied des Kirchenvorstandes der Brücke, hatte sich das Hamburger Modell angeschaut und die inspirierende Idee mit in ihre Gemeinde gebracht. Seitdem bereitet das rund zehnköpfige Organisationsteam die vier Termine im Jahr vor und die Besucherinnen und Besucher können sich immer wieder von neuen Ideen überraschen lassen.